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„Meine Inventur“


Liebe Gemeinde! "Wegen Inventur heute geschlossen" so stand es früher oft an den Türen der Geschäfte zu lesen, die gegen Jahresende ihren Bestand überprüften und registrierten. Als Jugendlicher habe ich regelmäßig mein Taschengeld mit Inventurarbeiten in einer Apotheke aufgebessert. Ich habe Packungen aus dem Regal hervorgeholt, gezählt, alles wieder zurückgestellt und Striche in eine Liste eingetragen. Heute geht die Bestandsaufnahme der Artikel anders, die Hilfsmittel für die Inventuren sind andere geworden. Die Geschäfte werden deswegen nicht unbedingt mehr geschlossen. Das läuft alles nebenbei. Inventur nebenbei. Geht das? Bei den Geschäften geht es wohl. Aber bei mir? Auch bei mir selbst ist eine Inventur wichtig.

Auch ich muss ab und zu Inventur machen und das geht nicht mal so nebenbei. Es geht um eine andere Bestandsaufnahme, mit der ich mein Leben überprüfe: Wie verbringe ich meine Zeit? Was ist mir gelungen? Was ist schief gegangen? Was will ich ändern? Wofür will ich mir in Zukunft mehr Zeit nehmen? Einen ganzen Katalog von Fragen kann ich mir für meine Inventurarbeiten überlegen, wenn ich sie wirklich machen will. Im Psalm 90,10 lesen wir: "Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn`s hoch kommt, so sind`s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon." Da wird ohne Umschweife von der Endlichkeit unseres Lebens gesprochen. Unsere Zeit hier auf dieser Erde ist begrenzt, sie ist nicht unendlich. Das kann vielleicht einigen Angst machen. Mir nicht!

Im Gegenteil, dieses Wissen hilft mit eher zum Leben. Dass mein Leben einmal zu einem Zeitpunkt, den ich nicht kenne, zu Ende sein wird, erinnert mich daran, wie kostbar und wertvoll meine Zeit doch eigentlich ist. Gerade die begrenzte Zeit macht mein Leben einmalig und schön. Deshalb ist es für mich notwendig, regelmäßig und öfters, nicht nur zum Jahresende hin eine - meine - Inventur zu machen. Je deutlicher mir klar wird und vor Augen steht, dass mein Leben ein Ende hat, eben nicht endlos ist, desto genauer werde ich darauf achten, worauf ich mich konzentrieren möchte. Worüber kann ich mich freuen, für was bin ich dankbar, wofür will ich einsetzen? "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." So sagt es der Psalmbeter in Psalm 90,12. Wer im Wissen um seine Endlichkeit lebt, der kann klug leben. Jeden Tag, den ich erleben darf, den ich lebe, er ist ein Geschenk Gottes. Und ich habe immer die Wahl, Vertun oder Nutzen. Deshalb "Carpe diem", für mich und für andere. Vielleicht kann in diesem Jahr die Adventszeit auch eine Inventurzeit für mich werden? Für Sie vielleicht auch?
Ich wünsche es uns!

Herzlichst

Klaus Hartmann, Pfr.


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